LVDS- & Displaykabel – Aufbau, Signalführung und Spezifikationskriterien

LVDS-Kabel und Displaykabel werden in industriellen Anwendungen zur störarmen Übertragung digitaler Bild- und Steuersignale eingesetzt. Diese Fachinformationsseite erläutert Aufbau, differentielle Signalführung (Low Voltage Differential Signaling), EMV-relevante Aspekte, typische Leiterquerschnitte (AWG32–AWG36), Schirmkonzepte sowie wichtige Spezifikationskriterien für LVDS-, Backlight- und Inverterleitungen.

Weiterführende Links

Zur passenden Leistung:   → Display und LVDS Kabelkonfektion
Zur Übersicht:  → Kabelkonfektion

Was ist LVDS (Low Voltage Differential Signaling)?

  • LVDS (Low Voltage Differential Signaling) ist ein elektrisches Übertragungsverfahren zur schnellen, störarmen Datenübertragung. Dabei werden digitale Signale differenziell über zwei gegensinnig geführte Leiter übertragen. Der Empfänger wertet die Spannungsdifferenz zwischen beiden Leitern aus.
  • Vorteile der LVDS-Signalübertragung:
  • hohe Datenrate bei niedriger Spannung
  • geringe elektromagnetische Emission
  • hohe Störfestigkeit gegenüber EMV-Einflüssen
  • gute Signalqualität bei kompakten Bauformen
  • LVDS wird typischerweise eingesetzt in:
  • TFT-Displays
  • LCD-Displays
  • OLED-Panels
  • Industrie-Displays
  • HMI-Bedienpanels
  • Embedded-Systemen
  • medizinischen Monitoren
  • Fahrzeugdisplays

Unterschied: LVDS-Kabel, Displaykabel, Backlightkabel, Inverterkabel

In der Praxis werden die Begriffe häufig vermischt.

LVDS-Kabel
Übertragen ausschließlich differenzielle Datensignale zwischen Steuerplatine und Display.

Displaykabel
Kombinieren Datenleitungen (z. B. LVDS) mit Versorgungsadern und ggf. Steuersignalen.

Backlightkabel
Versorgen LED-Hintergrundbeleuchtungen mit Spannung und Strom.

Inverterkabel
Werden bei älteren CCFL-Displays eingesetzt und führen Hochspannung zwischen Inverter und Beleuchtung.

Die korrekte Begriffsverwendung ist wichtig für Spezifikation, EMV-Bewertung und Kabelkonfektion.

Typischer Aufbau eines LVDS-Kabels

Ein LVDS-Kabel besteht aus mehreren konstruktiven Elementen:

Twisted Pair (verdrilltes Adernpaar)

Die Datenübertragung erfolgt über verdrillte Leiterpaare. Die konstante Paarverseilung sorgt für:

  • definierte differentielle Impedanz (typisch 100 Ω)
  • reduzierte Gleichtaktstörungen
  • verbesserte EMV-Eigenschaften

Leiterquerschnitt (AWG)

Typische Querschnitte im Bereich:

  • AWG32
  • AWG34
  • AWG36

Diese kleinen Querschnitte sind für Signalübertragung optimiert, nicht für Leistungsübertragung.

Schirmung

Zur Sicherstellung der elektromagnetischen Verträglichkeit kommen zum Einsatz:

  • Folienschirm
  • Geflechtschirm
  • Kombischirm (Folie + Geflecht)

Die Wahl hängt ab von:

  • Störumgebung
  • Leitungslänge
  • Einbausituation

Zusätzliche Adern

Je nach System können integriert sein:

  • Masseleitungen
  • Versorgungsspannung
  • Enable-/Steuersignale
  • Backlight-Versorgung

EMV und Schirmanbindung bei LVDS-Leitungen

Die EMV-Stabilität eines LVDS-Systems hängt nicht allein vom Kabelaufbau ab, sondern maßgeblich von:

  • Schirmanbindung
  • Erdungskonzept
  • Trennung von Leistungs- und Signalleitungen
  • Leitungsführung

360°-Schirmanbindung

Eine umlaufende (360°) Schirmanbindung am Steckverbinder bietet eine bessere Hochfrequenzdämpfung als eine punktuelle Anbindung („Pigtail“).

Typische EMV-Fehlerquellen

  • unzureichende oder einseitige Schirmanbindung
  • parallele Führung mit Motorleitungen
  • zu große Leitungslängen ohne Anpassung
  • fehlende Impedanzkontrolle

Mechanische Anforderungen an Display- und LVDS-Kabel

Neben der elektrischen Signalqualität sind mechanische Faktoren relevant:

  • minimaler Biegeradius (statisch/dynamisch)
  • Torsionsbelastung bei bewegten Anwendungen
  • Zugentlastung am Steckverbinder
  • enge Einbauräume in HMI-Systemen

In industriellen Anwendungen (Maschinensteuerung, Robotik, Fahrzeugtechnik) müssen Signal- und Backlightkabel häufig gleichzeitig EMV- und Bewegungsanforderungen erfüllen.

Steckverbinder und Systemkompatibilität

LVDS- und Displaykabel werden häufig mit Stecksystemen folgender Hersteller kombiniert:

  • Hirose (z. B. DF-Serie)
  • JAE (z. B. FI-Serie)
  • JST
  • Molex

Entscheidend für die Spezifikation sind:

  • Polzahl
  • Rastermaß
  • Codierung
  • Verriegelung
  • Schirmanbindung
  • Kontaktart (Crimp / IDC / Lötanschluss)

Typische Spezifikationsangaben für LVDS-Kabel

Für eine präzise Auslegung sind folgende Angaben üblich:

  • Displaytyp / Panelbezeichnung
  • LVDS-Standard (z. B. Single-Channel / Dual-Channel)
  • Anzahl differentieller Paare
  • Impedanzanforderung
  • Querschnitt (AWG)
  • Leitungslänge
  • Einbausituation
  • EMV-Umgebung
  • Backlight-Anforderungen
  • gewünschte Prüfung (Durchgang, Kurzschluss, Isolation)

Unklare Spezifikationen führen häufig zu Signalproblemen oder EMV-Störungen.

Häufige Fehler bei LVDS- und Displaykabeln

  • Impedanzabweichungen durch ungeeignete Leitung
  • gemischte Führung von Leistungs- und Datensignalen
  • fehlende oder fehlerhafte Schirmanbindung
  • unzureichende mechanische Zugentlastung
  • falsche Längenreferenz bei konfektionierten Leitungen

LVDS-Kabel im industriellen Umfeld

In industriellen Anwendungen müssen LVDS-Leitungen häufig gleichzeitig erfüllen:

  • kompakte Bauform
  • hohe Signalstabilität
  • EMV-Robustheit
  • Serienfertigungstauglichkeit
  • reproduzierbare Crimp- und Kontaktqualität

Besonders bei kleinen Querschnitten (AWG32–AWG36) sind präzise Abisolierung, kontrollierte Crimpprozesse und elektrische Endprüfung entscheidend für langfristige Betriebssicherheit.

Kontakt

Wenn Sie zu den Inhalten dieser Seite Fragen haben oder Unterstützung bei der Spezifikation Ihrer Kabelkonfektion benötigen, helfen wir Ihnen gern weiter.
Senden Sie uns einfach die vorhandenen Informationen oder Unterlagen – wir melden uns mit Rückfragen oder einem Lösungsvorschlag.

Falls bereits vorhanden, helfen z. B. Angaben zu Leitungstyp, Längen mit Maßbezug, Steckverbindern, Schirmanbindung und Prüfumfang bei der schnellen Klärung.

Geschäftsbereich Kabelkonfektion

E-Mail: kabelkonfektion(at)artec-systems.de

Lerchenfeld 11
D-91459 Markt Erlbach
Tel.: +49 9106 / 92491 - 0