Hotmelt Moulding – Verfahren, Materialien und konstruktive Grundlagen

Hotmelt Moulding ist ein Niederdruck-Spritzgussverfahren zur funktionalen Umspritzung von Kabeln, Steckverbindern und elektronischen Baugruppen. Diese Fachseite erläutert Prozessprinzip, Materialeigenschaften, konstruktive Anforderungen sowie typische Einsatzgrenzen im industriellen Umfeld.

Weiterführende Links

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Verfahrensprinzip

Beim Hotmelt Moulding wird ein thermoplastisches Polyamid-Granulat aufgeschmolzen und mit vergleichsweise geringem Druck in ein Werkzeug eingespritzt.

Charakteristische Merkmale:

  • niedriger Einspritzdruck im Vergleich zum klassischen Spritzguss
  • kurze Zykluszeiten
  • direkte Haftung auf vielen Kabelmantel- und Gehäusematerialien
  • keine chemische Reaktion wie bei 2K-Verguss

Nach dem Einspritzen erstarrt das Material durch Abkühlung und bildet eine formstabile, flexible Umspritzung.


 

Abgrenzung zu Vergussverfahren

Hotmelt MouldingKlassischer 2K-Verguss
thermoplastischchemisch reagierend
schnelle AbkühlungAushärtungszeit erforderlich
definierte Form im Werkzeugmeist frei vergossen
gut automatisierbaroft manuell oder halbautomatisch

Werkstoffeigenschaften

Verwendet werden modifizierte Polyamide mit folgenden Eigenschaften:

  • gute Haftung auf PVC, PUR, TPE, PA u. a.
  • elastisch bis flexibel
  • vibrations- und stoßfest
  • beständig gegen viele Öle und Medien
  • einstellbarer Temperaturbereich je nach Materialtyp

Die Materialwahl beeinflusst:

  • Flexibilität
  • Dichtigkeit
  • mechanische Stabilität
  • Dauerverhalten unter Temperaturwechsel

Typische Funktionen der Umspritzung

Hotmelt-Umspritzungen übernehmen häufig mehrere Funktionen gleichzeitig:

  • Zugentlastung
  • Abdichtung (z. B. IP-Anforderungen)
  • Schutz vor Feuchtigkeit und Staub
  • mechanische Stabilisierung von Übergängen
  • Integration von Formelementen (Laschen, Dichtlippen, Führungselemente)

Konstruktive Anforderungen

Für eine dauerhaft funktionsfähige Umspritzung sind zu beachten:

  • ausreichende Haftfläche am Kabelmantel
  • geeignete Materialkombination (Mantel / Hotmelt)
  • definierte Einlegetiefe in das Werkzeug
  • Berücksichtigung des Biegeradius nach der Umspritzung
  • thermische Empfindlichkeit elektronischer Komponenten

Bereits kleine Geometrieänderungen können Haftung und Dichtigkeit deutlich beeinflussen.

Grenzen des Verfahrens

Hotmelt Moulding ist nicht geeignet, wenn:

  • sehr hohe Dauertemperaturen oberhalb der Materialgrenzen auftreten
  • hohe mechanische Strukturfestigkeit wie bei duroplastischen Werkstoffen gefordert ist
  • extreme chemische Belastungen vorliegen

In solchen Fällen sind alternative Verguss- oder Spritzgussverfahren zu prüfen.

Typische Anwendungsbereiche

  • onfektionierte Kabel und Steckverbindungen
  • Sensorleitungen
  • Automotive-nahe Anwendungen
  • Maschinen- und Anlagenbau
  • Industrieelektronik

Planungshinweise

Bei der Projektierung sollten definiert werden:

  • Umgebungsbedingungen (Temperatur, Medien, IP-Anforderung)
  • mechanische Beanspruchung (Zug, Biegung, Vibration)
  • gewünschte Geometrie und Einbausituation
  • Lebensdaueranforderung

Eine frühe Abstimmung zwischen Konstruktion und Fertigung reduziert Werkzeuganpassungen und Entwicklungszeit.

Kontakt

Wenn Sie zu den Inhalten dieser Seite Fragen haben oder Unterstützung bei der Spezifikation Ihrer Kabelkonfektion benötigen, helfen wir Ihnen gern weiter.
Senden Sie uns einfach die vorhandenen Informationen oder Unterlagen – wir melden uns mit Rückfragen oder einem Lösungsvorschlag.

Falls bereits vorhanden, helfen z. B. Angaben zu Leitungstyp, Längen mit Maßbezug, Steckverbindern, Schirmanbindung und Prüfumfang bei der schnellen Klärung.

Geschäftsbereich Kabelkonfektion

E-Mail: kabelkonfektion(at)artec-systems.de

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Tel.: +49 9106 / 92491 - 0